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Schon zu Beginn des 21. Jahrhunderts wurde das Austragen bewaffneter Konflikte mehr und mehr von international tätigen Privatunternehmen übernommen – den Private Military Companys. Die Nationalarmeen wurden immer kleiner, bis nur noch spezialisierte Einheiten und ein gewisses Grundkontingent zur Landesverteidigung übrig blieben.

Später begann die Integrität von Nationalstaaten mit der lokalen Abtretung von hoheitlichen Aufgaben der Sicherheit und Ordnung an Unternehmen mit ausreichend Landbesitz und "ausreichender Eignung" zu bröckeln. Der Weg zur Bildung konzernregierter Gebiete war eingeschlagen: Besonders in wirtschaftlich weniger starken oder durch politische Unruhen geschwächten Staaten kauften Großkonzerne und Gesellschaften einfach genug Land von leicht zu überzeugenden Staatsvertretern und bezahlten auch gleich noch eine Provision für den reibungslosen Ablauf des Verfahrens. Sie hatten damit de facto die staatlichen Polizeibehörden auf dem eigenen Grundstück durch eigene Angestellte mit dem gleichen Auftrag ersetzt – inklusive Gewaltmonopol zur Durchsetzung der nationalen Gesetze. Nach der Installation solcher privatpolizeilichen Bereiche wurden deren politische Vertreter in die Parlamente aufgenommen. Unterstützt durch die Lobbyarbeit dauerte es nicht mehr lange, bis in den fast ausverkauften Favoritenstaaten der Großkonzerne auch lokale Gesetzgebungskompetenzen an sie verliehen wurden. Dann kamen die Steuern dazu, die Gesellschaften – beziehungsweise eigens dafür eingerichtete Abteilungen – übernahmen die Arbeit der Finanzverwaltung. Sie zogen die nationalen Steuern von den Bewohnern ihrer Territorien ein und führten diese nach bestem Wissen und Gewissen der Nationalregierung zu. Zuletzt wurden dann die Fürsorgepflichten für "Territoriumsbürger" übernommen: Bildungseinrichtungen, Krankenversicherung und öffentliche Einrichtungen zur Freizeitgestaltung und Erholung wurden installiert. In einigen Systemen wurde schließlich auch das Recht selbst lokale Steuern zu erheben an die "Territorialregierungen" verliehen. Die Konzerngebiete wurden damit zu dem was sie jetzt sind, nämlich von der Konzernleitung regierte Kleinstaaten, die nur marginal von einer Rahmengesetzgebungskompetenz der Nation, in der sie sich befinden, eingeschränkt werden. Die tatsächlichen Verhältnisse machen es deutlich: Auf dem Territorium eines Großkonzerns ist die nationale Polizei nicht mehr zuständig, die territorialen Sicherheits- und Militärkräfte sind den Landesstreitkräften oft technisch, taktisch und nicht selten auch zahlenmäßig überlegen und im Parlament, wenn es denn eins gibt, sitzen Verteter eben dieser Territorien. Eine Einmischung des Staates in die Angelegenheiten der Gesellschaften ist also nur in sehr begrenztem Umfang zu erwarten oder überhaupt möglich – wenn nicht gerade der Hauptkonkurrent eine entscheidende Mehrheit gegen den Marktführer hinter sich versammelt.

Das Wort "Konkurrenzkampf" erfährt eine neue Dimension: Militärische Aktionen gegen einen Mitbewerber, um dessen Produktionsstätten auszuschalten, oder die gewaltsame Übernahme von Rohstoffvorkommen sind üblich. Es gibt keine national zuständige Stelle, der ein Rechtsstreit vorgetragen werden könnte. Sollte also ein Konzern seine Privatrechte durch die Handlung eines anderen verletzt sehen, ist beispielsweise ein Gefecht im tiefen Hinterland eines Wüstenstaates um die Kontrolle einer Tagebaumine nicht auszuschließen – solange der Profit der Mine diese Investition rechtfertigt.

Wie die Nationalarmeen wissen die Konzerne, dass der Unterhalt von "Haustruppen" sehr teuer ist. Besser man mietet die Kräfte nur solange man sie auch braucht. Die Private Military Companys, die den bewaffneten Kampf als Kerngeschäft betreiben, sind also profitabler denn je: Private und Staatliche Kunden mit hoher Nachfrage auf allen Sektoren militärischer Aktion gibt es im Überfluss, genauso wie Einsatzgebiete auf der ganzen Welt.

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